Mehr Videoüberwachung und Frauen ändert euch???

Ekelhaft, widerlich… meine erste Antwort auf viele Fragen die ich aus ganz Deutschland und von meinen internationalen Freunden bekomme was ich denn von den Vorfällen um den Kölner Bahnhof halte. Trotzdem, jetzt gilt es ruhig und besonnen zu analysieren wer genau die männlichen Täter sind und welche Ursachen zu diesen Exzessen geführt haben.

Alles andere als ruhig und besonnen ist es, als einer der ersten Reaktionen Frauen darauf hinzuweisen, wie sie im Umgang mit Männern sich zu verhalten haben, wieviel „Armlängen“ Abstand einzuhalten oder in welcher Gruppenstärke sie am besten zu Karneval oder ähnlichen Events auftreten. Nein, hier ist diplomatisches Gefasel fehl am Platze, denn es muss klar gesagt werden: Es sind die Männer die kriminell und falsch gehandelt haben und nicht Frauen durch ihr gewohntes Auftreten! Ganz gleich aus welchem Kulturkreis jemand kommt. Mindestens seit der französischen Revolution kämpfen Frauen für ihre Rechte. Das Männer und Frauen gleichberechtigt sind, steht nicht nur als lose Floskel in unserm Grundgesetz, in unserer Gesellschaft wird dies tagtäglich gelebt. Frauen können alleine in Diskos gehen, anziehen, arbeiten, schlafen, reden, glauben, wählen, Spaß haben mit wem und wo sie wollen… auch an Silvester! Für diese Rechte und noch viel mehr haben sie gekämpft und muss auch ständig weiter gekämpft werden. Für diese Menschenrechte können auch Männer kämpfen, offensichtlich jetzt erst recht… ich jedenfalls werde es tun.

Alles andere als ruhig und besonnen ist es, jetzt mal wieder vorschnell nach noch mehr Videoüberwachung zu rufen… dabei ist dies totaler Unsinn und gefährlich zugleich. Nochmal, nicht Schnellschüsse und überflüssige Ratschläge, sondern die eindeutige Analyse was denn die flächendeckende Überwachung, gerade am Bahnhof nun wirklich gebracht hat. Das Ergebnis um den Kölner Bahnhof ist ernüchternd und erschreckend zugleich. Zusammen mit Lisa und Marie haben wir dazu gestern eine Pressemitteilung der Ratsgruppe herausgegeben die das Thema mal genauer angeht:

Trägt Videoüberwachung am Kölner Hauptbahnhof eine Mitschuld an den Vorfällen?

Die sexistischen und kriminellen Übergriffe am Neujahrswechsel im Bereich des Kölner Hauptbahnhofes gegen Frauen sind unerträglich. Das Schlimme daran, sie waren vermeidbar, wenn Personaleinsparungen zugunsten von trügerischer Videoüberwachung eine Rolle gespielt haben sollte.

Der gesamte Bereich in und um den Kölner Hauptbanhnhof sowie die Vorplätze im Bereich Breslauer Platz und Dom werden durch Videokameras der DB auf ihren Flächen überwacht. Schon seit Jahren wird dieses Instrument mit dem Argument der Terror- und Kriminaltätsbekämpfung unter hohem finanziellen Einsatz angewendet. Geschätzte 80 Kameras am Hauptbahnhof (1) und viele weitere in angrenzenden Bereichen der KVB (2) tragen allerdings weder zu mehr Sicherheit noch zu einer erhöhten Aufklärungsquote bei. Das macht die jetzige Hilflosigkeit bei der Datenauswertung klar – denn man erkennt… fast nichts. Das Problem ist bekannt. Ganz offensichtlich ist Videoüberwachung zur Prävention und Aufklärung gescheitert. Videokameras verhindern keine Straftaten und helfen Opfern nicht. Videoüberwachung schreckt Täter nicht von der Begehung von Straftaten ab, ganz gleich ob diese in kleinen oder großen Gruppen agieren. Eine Untersuchung im Auftrag der Berliner Verkehrsbetriebe kommt zu dem Ergebnis, durch Videoüberwachung sei „keine Veränderung der Sicherheitslage in der Berliner U-Bahn zu erwarten.“ Viele weitere nationale und internationale Sudien beweisen dies nachdrücklich.

Unabhängig von ihrem fragwürdigen Nutzen haben sie allerdings starken Einfluß auf unser subjektives Sicherheitsgefühl und den Personaleinsatz von Sicherheitskräften. Kameras gaukeln uns eine erhöhte Sicherheit vor, die es offensichtlich im Ernstfall nicht gibt. Die hohen Kosten von Videoüberwachungssystemen binden Mittel, die dann für sinnvolle Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und Lebensqualität fehlen. Videoüberwachungssysteme werden zum Anlass genommen, Personal einzusparen. Wirkliche Prävention geschieht aber nur durch Präsenz von Personal und Polizei. Einsparungen zugunsten von Videoüberwachung können also eine Mitschuld an den Vorgängen an Neujahr tragen.

Thomas Hegenbarth, Sprecher der Piratengruppe im Rat: „Sofern der Personaleinsatz in den vergangenen Jahren in und um den Kölner Hauptbahnhof zugunsten von Videoüberwachung zurück gefahren wurde, wollen wir hier klare Aussagen durch die DB und der Kölner Polizei. Eine Mitverantwortung für die Vorfälle durch die trügerische Einbildung von Sicherheit dank Videoüberwachung und mögliche Einsparungen beim Wachpersonal muss ausgeschlossen werden.“

(1) http://www.ksta.de/koeln/videoueberwachung-in-koeln-unter-staendiger-beobachtung-der-kameras,15187530,29288296.html

(2) https://www.piratenpartei-koeln.de/wp/wp-content/uploads/2014/10/Beantwortung-Anfrage-Video%C3%BCberwachung-der-KVB.pdf

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